Sehen statt Hören Fernsehen in Gebärdensprache

Sa, 07.11.  |  7:30-8:00  |  RBB
Untertitel/VT Gebärdensprache Stereo 
* Gehörlosensport - Ausgebremst statt gefördert?
Zu wenige Sportvereine, fehlende Trainingsmöglichkeiten und mangelnde Förderung: Für gehörlose Kinder und Jugendliche ist der Zugang zum Sport oft mit großen Hürden verbunden. „Sehen statt Hören“ hat sich im Gehörlosensport umgesehen und zeigt, mit welchen Herausforderungen junge Sportlerinnen und Sportler, Lehrkräfte und Vereine zu kämpfen haben – aber auch, wie viel Engagement und Begeisterung trotz schwieriger Bedingungen vorhanden sind.

Gehörlosensport - Ausgebremst statt gefördert?

Emilia liebt Volleyball. Doch in ihrer Nähe gibt es keinen Gehörlosensportverein, der diese Sportart anbietet. In einem Verein für Hörende fühlte sie sich aufgrund der Kommunikationsbarrieren nicht so recht aufgehoben. "Es wäre schön, wenn es so etwas in der Nähe von Nürnberg gäbe", sagt sie. Um trotzdem mit anderen gehörlosen Spielerinnen trainieren zu können, nimmt sie regelmäßig den weiten Weg von Nürnberg nach München auf sich.

Dort bereitete sie sich gemeinsam mit ihrer Beachvolleyball-Partnerin Telissa auf die European Deaf Youth Games in Hannover vor. Weil die beiden in unterschiedlichen Städten leben, blieb ihnen allerdings nur wenig Zeit für gemeinsames Training. Ein Nachteil, der sich bei den Wettkämpfen bemerkbar machte: Gegen Teams, die seit Jahren zusammen trainieren, hatten sie es schwer.

Sportunterricht ohne Turnhalle
Auch am Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg in Essen sind die Bedingungen für den Gehörlosensport schwierig. Seit langer Zeit wartet Sportlehrerin Natascha Laier auf die Fertigstellung einer neuen Turnhalle. "Seit drei Jahren wird gebaut, jetzt im vierten Jahr - und noch immer ist kein Ende in Sicht", berichtet sie. Stattdessen muss sie den Sportunterricht teilweise in einem viel zu kleinen Klassenzimmer abhalten oder mit ihren Schülerinnen und Schülern zu weiter entfernten Sportstätten fahren. Von einer 90-minütigen Sportstunde bleiben durch Fahrten und Umziehen teilweise nur 35 bis 40 Minuten reine Bewegungszeit. Unter diesen Bedingungen fällt es der Lehrerin zunehmend schwer, die Jugendlichen für Sport zu begeistern. Gleichzeitig beobachtet sie, dass grundlegende körperliche Fähigkeiten wie Koordination, Ausdauer und Kraft bei vielen Schülerinnen und Schülern nachlassen.

Nachwuchsmangel und fehlende Förderung
Doch nicht nur geeignete Trainingsstätten fehlen: Auch der Nachwuchsmangel und das sinkende ehrenamtliche Engagement stellen den Gehörlosensport vor große Herausforderungen. Petra Klein, Bundestrainerin für Leichtathletik, betreut in Essen eine der wenigen regelmäßigen Leistungsgruppen für gehörlose Sportlerinnen und Sportler. Wie wichtig solche Angebote sind, zeigt die Geschichte von Ani: Mit zwölf Jahren kam sie erstmals zum Leichtathletiktraining und entdeckte dort ihre Leidenschaft für den Sport. Schon bald nahm sie an Wettkämpfen teil. "Da erst habe ich gemerkt: Das ist es - MEINE Sportart!", erinnert sie sich. Doch längst nicht alle Kinder finden den Weg in einen Verein. Besonders schwer ist es laut Petra Klein, jene zu erreichen, die Regelschulen besuchen und kaum Kontakt zum Gehörlosensport haben. "Viele gehen auf Regelschulen, kennen die Gehörlosensportvereine nicht und sind somit ‚verschwunden'", erklärt sie.

Auch Thomas Ritter von der Deutschen Gehörlosen-Sportjugend sieht die Entwicklung mit Sorge: "Früher gab es eine Gemeinschaft. Heute ist jeder für sich allein oder in seiner eigenen Gruppe unterwegs." Hinzu kommt, dass die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement abnimmt. Um wieder mehr Kinder und Jugendliche für den Sport zu gewinnen, setzt Ritter auf eine engere Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen und Gehörlosenschulen. Doch auch bei der Finanzierung sieht er Handlungsbedarf. Zwar gibt es Fördermittel für den Jugend- und den Spitzensport, doch dazwischen klafft eine Lücke: "Für den Übergang der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren ist die Finanzierung nicht geregelt." Gerade in dieser wichtigen Entwicklungsphase fehlt damit also eine verlässliche finanzielle Unterstützung, um junge Talente auf ihrem sportlichen Weg zu begleiten.

European Deaf Youth Games als Chance
Wie wichtig sportliche Vorbilder und internationale Wettbewerbe sind, zeigten die ersten European Deaf Youth Games im August 2026 in Hannover. Jugendliche aus 24 Ländern traten in verschiedenen Sportarten gegeneinander an. Für viele war es die erste Gelegenheit, internationale Wettkampferfahrung zu sammeln und Teil einer größeren Gemeinschaft zu werden.

Redaktion: Martin Munz

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