Coming Out Spielfilm DDR 1989

Sa, 07.11.  |  22:00-23:50  |  RBB
Stereo  Film (fiktional), 1989
Wie ein Schlag trifft es Philipp, als er Matthias begegnet. Jetzt weiß er, dass er ein Leben lang auf ihn gewartet hat. Aber da ist Tanja, die ihn liebt. Da sind Vorurteile in der Gesellschaft gegenüber unüblicher Partnerschaft. Nicht nur Philipp gerät in eine Krise.

Philipp ist ein Lehrer, wie ihn sich Schüler wünschen. Intelligent, gut aussehend und kreativ, begeistert er sie für den Unterricht. Kaum vorstellbar, dass ihn etwas aus der Bahn werfen kann. Doch genau das passiert, als er auf Matthias trifft. Unerwartet offenbart sich in dieser Begegnung seine homosexuelle Veranlagung. Eine schmerzhafte, konfliktreiche Selbstfindung beginnt. Nicht nur für den Lehrer. Auch für seine Freundin Tanja, die ein Kind erwartet. Für die Mutter bricht nach der Offenbarung des Sohnes eine Welt zusammen. Schließlich jagt ein Rettungswagen durch die Silvesternacht, in dem Matthias mit dem Tode ringt.
Mit "Coming Out" knüpfte Regisseur Heiner Carow an seine besten Filme der 1970er-Jahre an ("Die Legende von Paul und Paula", "Bis dass der Tod euch scheidet", "Die Russen kommen"). Um das Bekenntnis seiner Helden zu sich selbst, ihren Gefühlen und ihrer Individualität herauszufordern, trieb sie der Regisseur bis an die Grenze ihrer Leidensfähigkeit. Emotional, spannend und ehrlich plädiert der Film für Verständnis und Toleranz gegenüber jeglicher Art von Anderssein. Für die Umsetzung musste Heiner Carow gegenüber den DDR-Funktionären sieben Jahre kämpfen. Doch schlussendlich gelang es überdies an authentischen Orten der Ost-Berliner Schwulenszene in Friedrichshain zu drehen. "Coming Out" ist innerhalb der Filmgeschichte der DDR das einzige Werk, das Homosexualität thematisiert. Für weitere Filme, die ebenfalls das Thema hätten aufgreifen können, blieb keine Zeit mehr, denn die DDR sollte nach Erscheinen des Films nur noch wenige Monate existieren. Am 09. November 1989, feierte "Coming Out" seine Premiere im Berliner Kino „International“. Wegen der enormen Nachfrage gab es an diesem Abend eine Doppelvorstellung, um 19:30 Uhr und um 22:00 Uhr. Nachdem das Premierenpublikum das Kino verließ, wurde es Zeuge, wie noch in dieser Nacht die Berliner Mauer fiel. Gut drei Monate später wurde Heiner Carow für seinen Film auf der 40. Berlinale 1990 mit einem "Silbernen Bären" ausgezeichnet.

Darsteller:
Matthias Freihof (Philipp)
Dagmar Manzel (Tanja)
Dirk Kummer (Matthias)
Michael Gwisdek (Achim)
Werner Dissel (Älterer Herr)
Gudrun Ritter (Frau Möllemann)
Walfriede Schmitt (Philipps Mutter)
Regie: Heiner Carow
Kamera: Martin Schlesinger
Musikalische Leitung: Stefan Carow
Buch: Wolfram Witt

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