Ausgewählt Wurschtel und Visionär

Di, 08.09.  |  10:05-11:00  |  Ö1
Zum 275. Geburtstag von Emanuel Schikaneder (1751 – 1812)

Die Mitautorschaft an der „Zauberflöte“, deren erster Papageno er war, sichert dem am 1. September 1751 in Straubing geborenen Johann Josef Schickeneder (!) seinen Platz im Opernolymp. Doch hat der Wanderkomödiant, der sich 1785 in Wien niederließ, unter seinem Künstlernamen Emanuel Schikaneder die Wiener Theaterlandschaft beeinflusst wie wenige andere. Als hochbezahlter Schauspieler des Wiener Burgtheaters war er ein gefeierter Hamlet, schrieb über 50 Theaterstücke und über 40 Textbücher für Opern und Singspiele und wurde 1787 Direktor des Freihaustheaters auf der Wieden, wo vier Jahre später „Die Zauberflöte“ uraufgeführt werden sollte. Andere Erfolge jener Zeit waren die von ihm getexteten Singspiele „Der Stein der Weisen“, „Der Tyroler Wastl“ sowie „Der wohltätige Derwisch“ mit Musik u. a. von Mozart. 1798 trug Schikaneder Text und Kompositionen zu einem „Zauberflöte“-Sequel namens „Das Labyrinth“ bei. Eine weitere nachhaltige Leistung des vielseitigen Theatermannes war die Gründung des Theaters an der Wien, das 1801 mit der Oper „Alexander“ (Musik: Franz Teyber, Librett: Schikaneder) eröffnet wurde. 1803 lud der Dichter-Direktor den prominentesten Komponisten jener Zeit in eine Dienstwohnung im Haus an der Wienzeile. Ludwig van Beethoven begann sogar, ein Schikaneder-Libretto zu vertonen – „Vestas Feuer“ blieb allerdings Fragment. Als Emanuel Schikaneder verarmt und geistig verwirrt 1812 in Wien verstarb, konnte er nicht ahnen, dass er über 200 Jahre später zum Titelhelden eines modernen Singspiels (alias Musical) werden sollte: „Schikaneder“ von Stephen Schwartz.

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