In der 3sat-Mediathek: Starke Stücke vom 58. Berliner Theatertreffen

Drei "Starke Stücke" vom Theatertreffen 2021 - bis 21. 11. 2021 in der 3sat-Mediathek.

Starle Stücke in der 3sat-Mediathek

Alle drei Stücke sind ab 15. Mai 2021 120 Tage lang in der 3sat-Mediathek abrufbar. 3sat zeigt die Aufzeichnung vom "Automatenbüffet" mit Audiodeskription und Untertiteln für Seh- und Hörbeeinträchtigte.

Im Rahmen seiner Reihe "Starke Stücke" zeigt 3sat als Medienpartner drei der zehn zum 58. Theatertreffen eingeladenen bemerkenswerten Inszenierungen in seinem Programm:

  1. "Maria Stuart" vom Deutschen Theater Berlin (Samstag, 15. Mai 2021, 20.15 Uhr),
  2. "Graf Öderland", eine Koproduktion von Theater Basel und Residenztheater München, (Samstag, 22. Mai 2021, 20.15 Uhr) und "
  3. "Automatenbüfett" vom Burgtheater Wien (Samstag, 29. Mai 2021, 20.15 Uhr).

Das 58. Theatertreffen Berlin in 3sat

Eine Bühne für Newcomer, ein Treffpunkt der Theaterszene: Als Medienpartner des Berliner Theatertreffens holt 3sat drei "Starke Stücke" von den zehn zum 58. Theatertreffen eingeladenen Inszenierungen auf seine TV-Bühne. Vom 15. bis 29. Mai 2021 zeigt 3sat die "Starken Stücke" - jeweils samstags zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr - und vergibt den mit 10.000 Euro dotierten 3sat-Preis.

Maria Stuart": "Starke Stücke" vom 58. Berliner Theatertreffen am Sa 15. Mai 20:15 Uhr. 3sat zeigt die Inszenierung vom Deutschen Theater Berlin

Nach dem Auftragsmord an ihrem Gatten muss Maria Stuart, katholische Königin von Schottland, vor ihrem Volk fliehen. Zuflucht sucht sie bei ihrer Cousine, der protestantischen Königin Elisabeth, die jedoch befürchten muss, dass Maria ihr den Thron streitig macht. Maria wird gefangen genommen und eingesperrt. Befreiungsversuche von jungen Rettern schlagen fehl. Doch Marias Glanz strahlt auch aus dem Kerker heraus: Sie kann auf eine treue Anhängerschaft zählen und weiß Frankreich an ihrer Seite. Nach mehreren vereitelten Mordanschlägen auf Königin Elisabeth, die Maria angelastet werden, soll sie hingerichtet werden. Ein Versöhnungsversuch der beiden Königinnen scheitert grandios. Dennoch zögert Elisabeth, das Todesurteil zu vollstrecken …

Anne Lenks Inszenierung am Deutschen Theater Berlin zeigt Schillers Figuren als Gefangene in einem riesigen Setzkasten. Jeder ist für sich allein, wirkliche Nähe und damit auch Verständnis für das Gegenüber sind unmöglich. In formaler Strenge schreitet eine Geschichte voran, die von Beginn an ausweglos erscheint. Im Konflikt von Staatsräson und Individuum, Recht und Gerechtigkeit kann es am Ende nur Verliererinnen und Verlierer geben. Franziska Machens als Maria und Julia Windischbauer als Elisabeth liefern sich einen eindrucksvollen und verzweifelt einsamen Kampf der Königinnen. Jede agiert in ihrem eigenen Handlungsraum, ist Herrscherin über ein eigenes Reich und von der jeweils anderen getrennt durch physische Barrieren, die eigentlich ideologische sind und nicht überwunden werden können.

Maria Stuart. Julia Windischbauer (li.) als Elisabeth, Königin von England und Franziska Machens (re.) als Maria Stuart, Königin von Schottland. Bild: Sender / ZDF und Arno Declair.

"Graf Öderland": "Starke Stücke" vom 58. Berliner Theatertreffen.3sat zeigt die Koproduktion vom Theater Basel und Residenztheater München am Sa 22. Mai 20:15 Uhr 

Der Kassierer einer Bank greift zur Axt und erschlägt einen Hausmeister: Ein brutaler Mord, der ohne jeden ersichtlichen Grund verübt wird. Diese Tat erschüttert Staatsanwalt Martin, der mit dem Fall betraut ist. Dieser, selbst gefangen in einem geordneten und spießbürgerlichen Dasein, verwandelt sich nach und nach in sein bizarres Alter Ego Graf Öderland, greift selbst zur Axt und streift mordend und marodierend durchs Land. Er schart immer mehr Anhängerinnen und Anhänger um sich, die ihn zum Befreiungshelden stilisieren und schließlich eine Bewegung bilden, die nicht mehr zu stoppen ist. Alle Verzweifelten, Ausgegrenzten und Gelangweilten betreiben einen nihilistischen Kult um den Grafen als Führerfigur und stürzen schließlich sogar die Regierung.

Das selten gespielte Stück von Max Frisch, das er selbst als sein liebstes bezeichnete, wird in der Koproduktion von Theater Basel und Residenztheater München zu einer düsteren Horror-Revue, die einen schauerlichen Sog ungläubigen Schreckens entfaltet. Regisseur Stefan Bachmann lässt seine Figuren aus einem schwarzen Trichter taumeln, stürzen und kriechen. Die Bühne von Olaf Altmann ist Schauplatz einer Handlung, die verblüffend aktuell wirkt und von einer Welt erzählt, in der für unumstößlich gehaltene Grundsätze verloren sind und autoritäre, totalitäre Strömungen die Oberhand gewinnen. Menschlichkeit ist nichts weiter als eine naive Erinnerung. Oder war doch alles nur ein böser Traum?

Graf Öderland: Barbara Horvath (li.) als Elsa und Thiemo Strutzenberger (re.) als der Staatsanwalt in „Graf Öderland“ von Stefan Bachmann.  Bild: Sender / ZDF und Birgit Hupfeld.

"Automatenbüffet": "Starke Stücke" vom 58. Berliner Theatertreffen. 3sat zeigt die Inszenierung vom Burgtheater Wien am Sa 29. Mai 20:15 Uhr

Der angepasste Provinzbürger Herr Adam vereitelt beim Angeln den Suizidversuch der jungen Eva und rettet sie vor dem Ertrinken. Herr Adam lädt Eva zu sich nach Hause ein und gewährt ihr Unterschlupf, was seine Frau wenig begeistert akzeptiert. Frau Adam leitet die titelgebende Gastwirtschaft, das Automatenbüffet, wo man auf Knopfdruck und nach Münzeinwurf immer frisches Bier, Würstchen und Musik bekommt. Das Automatenbüffet bevölkern skurrile Dauergäste, aber auch die Honoratioren und wichtigen Funktionäre des Dorfes treffen sich dort. Schnell wird Eva zur Projektionsfläche der unterschiedlichen Fantasien der Gäste, und sie kann sich vor Avancen bald kaum noch retten. Herr Adam will sich dies zunutze machen und Eva dafür einspannen, die übrigen Herren von seiner Idee zu überzeugen, die Region durch den Aufbau einer Fischereiindustrie aus der wirtschaftlichen Misere zu holen. Auch wenn es zunächst so scheint, als ließe sich Eva wie eine Puppe spielen, zeigt sich am Ende, dass sie es ist, die die Fäden in der Hand hält.

Regisseurin Barbara Frey inszeniert am Wiener Akademietheater, der Kammerspielbühne des Burgtheaters, das Werk der österreichischen Exilautorin Anna Gmeyner, die ebenso ein Freigeist war wie die von ihr gezeichnete Hauptfigur. Das Stück aus dem Jahr 1932 zeigt den Blick der Autorin auf das reaktionäre Bürgertum und die Technikgläubigkeit ihrer Zeit. Das graubraune Bühnenbild mit den leuchtenden Fächern des Automatenbüffets von Bühnenbildner Martin Zehetgruber setzt den Ton für diese kleinbürgerliche, retrofuturistische Dystopie. 3sat zeigt die Aufzeichnung mit Audiodeskription und Untertiteln für Seh- und Hörbeeinträchtigte.

Das Ensemble von „Automatenbüffet“ im Bühnenbild von Martin Zehetgruber am Wiener Burgtheater. Bild: Sender / ZDF und Matthias Horn.

Starke Stücke: Sendungslogo. Bild: Sender /  ZDF und 3sat Grafik
Starke Stücke: Sendungslogo. Bild: Sender / ZDF und 3sat Grafik

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