Ausgewählt Ravels Faible für Jazz & vice versa
Mo, 28.09. | 10:05-11:00 | Ö1
1928. Ein halbes Jahr verbringt Maurice Ravel in den Vereinigten Staaten, teils privat, teils auf Tournee. Er freundet sich mit George Gershwin an, dessen Musikalität und Können er bewundert. Gemeinsam verbringen sie in New York City mehrere Nächte in den Jazzclubs von Harlem: im Savoy Ballroom, in Connie’s Inn und im legendären Cotton Club, in dem Ravel Duke Ellington hörte. Er wohnt sogar einer Aufnahme-Session des „King of Jazz“ Paul Whiteman mit dessen Orchester bei, Solist ist der Trompeter Bix Beiderbecke. Ravel hat den Jazz ernstgenommen. Er verstand ihn nicht wie viele andere als Modeerscheinung, sondern als wichtige Entwicklung der modernen Harmonik und Rhythmik.Einige seiner Werke beweisen, wie man jazztypische Elemente mit der Präzision und Eleganz der klassischen Tradition verbinden kann. Trotzdem hat er sich selbst dezidiert als nicht-jazzigen Komponisten bezeichnet, denn er wusste nur allzu genau, was Jazz ist und dass bereits seine eigene präzise Notation konträr zum Improvisationsgedanken des Jazz steht.Deshalb ist es auch interessant, sich von der Jazz-Seite Ravel anzunähern, und zwar ohne ihn zu „verjazzen“, sondern ihn vielmehr als Jazz-Komposition neu zu entwickeln, ein Gedankenspiel wie es der spanische Jazzpianist Marco Mezquida höchst erfolgreich in seinem Projekt „Ravel’s Dreams“ unternommen hat.
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