Ö1 Essay Populismus und Architektur
Fr, 23.10. | 11:05-11:25 | Ö1
Wer regiert, baut. Waren es früher Könige und Kaiser, die sich Paläste errichteten, um dem Volk ihre Macht zu demonstrieren, sind es nun demokratische Staaten, die Repräsentationsgebäude in Auftrag geben. Jan-Werner Müller untersucht in seinem Buch „Straße, Platz, Palast. Zur Architektur demokratischer Räume“ die Beziehung zwischen Politik und der gebauten Umwelt. Der deutsche Politikwissenschaftler, der an der Princeton University in den USA unterrichtet, blickt dabei auch auf jene gewählten Volksvertreter, die dem Populismus zuzuordnen sind, wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan und – den mittlerweile abgewählten – Viktor Orbán. Donald Trump erklärte in einer seiner Präsidialverordnungen den Klassizismus zum bevorzugten Stil für Bundesgebäude. Damit solle der öffentliche Raum verschönert werden. Modernistische Architektur bezeichnete er als wenig ansprechend. Öffentliche Gebäude sollen „das amerikanische Volk inspirieren und den Bürgersinn“ fördern und ein „sichtbares Zeugnis für die Würde, die Tatkraft, die Vitalität und die Stabilität der amerikanischen Regierung“ ablegen. Klassische Architektur würde eine visuelle Verbindung zu den Vorläufern der Demokratie in der klassischen Antike herstellen.Während die Demokratie keine spezielle Ikonographie zu haben scheint beziehungsweise ihr visuelles Programm immer wieder hinterfragt, zeigen regierende Populisten einen Hang zum Monumentalen und zelebrieren eine „angebliche Rekonstruktion als Rückkehr zu Authentizität und Größe des Volkes“, meint Jan-Werner Müller.
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