Gedanken für den Tag Nöstlingers letzte Warnung

Sa, 17.10.  |  6:57-7:00  |  Ö1
Heinz Janisch, Journalist und Autor, zum 90. Geburtstag von Christine Nöstlinger

Es gibt ein Gedicht von Christine Nöstlinger, das sie vor Jahrzehnten geschrieben hat, das so erschreckend aktuell ist, dass man es liest und ganz still wird dabei. Und nach dieser Stille sollte man aufstehen und richtig laut werden. Dann sollte man seine Stimme erheben, so wie es Christine Nöstlinger getan hat, in Interviews, Diskussionen und Veranstaltungen und als Autorin in ihren Büchern.Hier ist ihr Gedicht mit dem Titel „Letzte Warnung“.Werte Erwachsene,die Maikäfer und die Frösche habt ihr umgebracht,die Libellen und die Schlangen habt ihr totgemacht.Um jedes Stückchen Wiese legt ihr einen Zaun,jedes verwilderte Grundstück müsst ihr verbaun.Die Eidechsen und die Fischotter sterben aus,keine Maus, kein Wiesel, keine Ratte, keine Lausdürfte, wenn es nach euch geht, überleben.Nur Beton, Stahl und Plastik soll es geben!Die Luft ist voll Blei, die Wolken sind giftig,die Vögel verrecken, euch ist das nicht wichtigDer Regen ist sauer, im Bach schwimmt Chemiedie Falter krepieren, so schlimm wars noch nieUnd ihr seufzt bloß: Es ist alles sehr schwierig!Ist es aber nicht! Ihr seid bloß unheimlich gierig.Und hört ihr nicht auf, euch gegen das Leben zu versündigenso müssen wir euch leider demnächst entmündigen.Eure Kinder

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