Vorgestellt Tangenten- und Hammerflügel in Sachen Mozart

Di, 08.09.  |  11:30-12:00  |  Ö1
Die Pianistin Olga Pashchenko brilliert mit dem Ensemble Il Gardellino mit einer weiteren CD ihrer Aufnahme-Serie aller Mozart-Konzerte.

Der Vergleich mag in diesen Zeiten vielleicht zu kriegerisch wirken, aber dass sie zwischen den Tasten so manchen musikalischen Molotow-Cocktail versteckt habe, wie eine niederländische Zeitung einst schrieb, umschreibt den aufregenden Stil Olga Pashchenkos ziemlich treffend.Die 1986 in Moskau geborene Tasten-Virtuosin entfacht mit dem belgischen Ensemble Il Gardellino immer wieder explosive Ausbrüche, wenn es darum geht, Mozarts Ausdrucksvielfalt Genüge zu tun. Dazu braucht sie aber keinen donnernden „modernen“ Flügel. Vielmehr zeigt sie auf historischen Instrumenten, wie Mozart seine Konzerte vielleicht wirklich spielte. Zwei der drei Konzerte, die Pashchenko auf Vol. 3 ihrer Gesamtaufnahme versammelt, konkret die Werke KV 238 und KV 246, stammen aus dem Jahr 1776. Für diese Musik des gerade 20-jährigen Mozart wählt sie einen Tangentenflügel, ein besonderes Instrument, das klanglich zwischen Cembalo und Klavier angesiedelt scheint. Für das deutlich spätere Konzert KV 456 darf es dann schon ein robuster Hammerflügel sein.Die erwähnten dramatischen Passagen sind übrigens noch nicht einmal die beeindruckendsten Momente dieser Aufnahme. Wenn uns Pashchenko und Il Gardellino das Adagio von KV 238 im verhüllten Pianissimo geradezu zuflüstern, haben wir das Gefühl, mitten unter den Musizierenden zu sitzen. Dieser Eindruck ist auch der Aufnahme-Philosophie zuzuschreiben: Mozart nicht im Konzertsaal, sondern quasi im Wohnzimmer. Berückend.

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