Opernabend – Live aus der Wiener Staatsoper Francesco Cilea: „Adriana Lecouvreur“

Sa, 05.09.  |  19:00-22:20  |  Ö1
Mit Ermonela Jaho (Adriana Lecouvreur), Elina Garanca (Principessa di Bouillon), Luciano Ganci (Maurizio, Conte di Sassonia), Roberto Frontali (Michonnet), Simonas Strazdas (Principe di Bouillon), Andrea Giovannini (Abate), Ivo Stanchev (Quinault), Carlos Osuna (Poisson) u.a. Chor und Orchester der Wiener Staatsoper; Dirigent: Marco Armiliato (Live-Übertragung aus der Wiener Staatsoper, in 5.1 Surround Sound)

Kaum zu glauben, aber wahr: die 1902 uraufgeführte Oper „Adriana Lecouvreur“ von Francesco Cilea, einem jüngeren Zeitgenossen von Giacomo Puccini, ging bisher nur 15 mal über die Bühne der Wiener Staatsoper- und erlebte erst 2014 ihre Erstaufführung an diesem Haus.Es handelt sich dabei um ein Werk für und um eine Primadonna, denn für die mit herrlichen Kantilenen ausgefüllte Titelrolle, einst eine Paradepartie von Renata Tebaldi, Renata Scotto und Mirella Freni, braucht man eine große Bühnenpersönlichkeit mit Ausstrahlung und Präsenz, gilt es doch eine bedeutende historische Figur darzustellen: Adrienne Lecouvreur, eine gefeierte Schauspielerin Frankreichs im frühen 18. Jahrhundert. Nach Angela Gheorghiu in der Wiener Erstaufführung und später Anna Netrebko wird – nach fünf Jahren der Absenz vom Spielplan – in der jetzigen Wiederaufnahme der werktreuen David McVicar-Produktion mit dem opulenten Bühnenbild von Charles Edwards wie schon vor fünf Jahren die albanische Sopranistin Ermonela Jaho in dieser Rolle zu erleben sein – an der Seite von Publikumsliebling Elina Garanca in der Rolle der Principessa di Bouillon; diese Principessa ist wie die Schauspielerin in Maurizio, Moritz von Sachsen, verliebt.Adrienne Lecouvreur (1692 – 1730) stammte aus einfachen Verhältnissen. Dennoch gelang es ihr, in die Reihe der ersten Schauspielerinnen ihrer Zeit aufzusteigen – und damit verbunden war auch gesellschaftliche Reputation. An der Comédie-Francaise wurde sie nicht nur als tragische Heldin vergöttert, im privaten Leben standen ihr hochrangige Männer nahe, beispielsweise Graf Moritz von Sachsen, ein illegitimer Sohn von August dem Starken. Dieses Liebesverhältnis und die damit einhergehende Rivalität mit einer Herzogin wurden gerüchteweise mit ihrem überraschenden Tod im Alter von nur 38 Jahren in Verbindung gebracht. Die Kirche, der die Schauspielerei als eine verrufene Tätigkeit galt, verweigerte ihr ein christliches Begräbnis; ihr Freund Voltaire beweinte sie in seiner Ode La mort de Mademoiselle Lecouvreur.Das Leben der Adrienne Lecouvreur, insbesondere ihr von Gerüchten umrankter Tod, war Stoff für mindestens drei Verfilmungen, Walter W. Goetze thematisierte die Liebesgeschichte zwischen ihr und Moritz von Sachsen in einer Operette – und Eugène Scribe brachte sie 1849 in einem tragischen Theaterstück auf die Bühne. Auf diesem wiederum basiert die Oper von Francesco Cilea, die erstmals 1902 mit Enrico Caruso in Mailand über die Bühne ging – es sollte die einzige Oper dieses Komponisten bleiben, die zumindest gelegentlich immer wieder in den Spielplänen erscheint. Tilda (1892), L’Arlesiana (1897) oder Gloria (1907), weitere Opern von Cilea, haben dagegen niemals einen dauerhaften Platz im regulären Opernrepertoire gefunden.Text: Michael Blees

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