Opernabend – Wiener Festwochen 2026 Richard Wagner: „Parsifal“

Sa, 27.06.  |  19:00-23:20  |  Ö1
Mit Russell Thomas (Parsifal), Dshamilja Kaiser (Kundry / Stimme aus der Höhe), Albert Dohmen (Gurnemanz), Kartal Karagedik (Amfortas), Werner Van Mechelen (Klingsor), Kurt Rydl (Titurel), u.a..Arnold Schönberg Chor, Gumpoldskirchner Spatzen, ORF Radio-Sinfonieorchester Wien; Dirigentin: Yi-Chen Lin(aufgenommen im Juni 2026 in der Halle E des Wiener Museumsquartiers im Rahmen der Wiener Festwochen, in 5.1 Surround Sound)

Richard Wagners letztes, nur wenige Monate vor seinem Tod uraufgeführtes Musikdrama, das Bühnenweihfestspiel Parsifal – es ist nicht nur ein Werk gewaltiger Dimensionen, sondern auch bemerkenswert in der Entstehungsgeschichte. Die Ursprünge zu diesem Werk gehen nämlich zurück bis ins Jahr 1845. Wagner hat damals den Prosaentwurf zu seiner romantischen Oper Lohengrin vollendet – und bei der Beschäftigung mit diesem Sujet war er mit der Parsifal-Thematik in Berührung gekommen.Das erste Resultat aus der Beschäftigung mit Wolfram von Eschenbachs Parzival war zwar Lohengrin, aber auch bei seiner Beschäftigung mit Tristan und Isolde wollte Wagner das Sujet wieder aufgreifen; im dritten Aufzug, wenn Tristan krank darnieder liegt, wollte der Komponist Parzival auftreten lassen – eine Idee, die er dann wieder verworfen hat, aber das Thema hatte sich bei ihm festgesetzt. 1857 will Wagner laut seinen eigenen Lebenserinnerungen eines Morgens bei Sonnenschein erwacht sein. „Das Gärtchen war ergrünt, die Vögel sangen. Hiervon erfüllt sagte ich mir plötzlich, dass heute ja Karfreitag sei und entsann mich, wie bedeutungsvoll mir diese Mahnung schon einmal in Wolfram von Eschenbachs Parzival aufgefallen war. Von dem Karfreitagsgedanken aus konzipierte ich schnell ein ganzes Drama, in drei Akten, welches ich sofort flüchtig skizzierte.“ Soweit Wagner im Zitat – allerdings stimmen diese Erinnerungen nicht ganz. Wagner bezog sein „Asyl“, auf das sich das Zitat bezieht, erst 18 Tage nach dem Karfreitag des Jahres 1857 – und die erste genannte Skizze ist nicht dokumentiert. Der erste vorhandene Entwurf entstand 1865, die Dichtung war 1877 vollendet, die Orchesterskizze 1879 und die gesamte Partitur schließlich 1882 – wobei auch hier gemogelt wurde, denn der Schlußeintrag der Partitur wurde auf den Geburtstag von Ehefrau Cosima Wagner rückdatiert.Die Uraufführung des Bühnenweihfestspiels Parsifal ging am 26. Juli 1882 bei den damals zweiten Bayreuther Festspielen über die Bühne; wäre es nach dem Wunsch des Komponisten und seiner Erben gegangen, hätte das Werk ausschließlich in Wagners Festspielhaus auf dem „grünen Hügel“ von Bayreuth zur Aufführung kommen sollen. Die Metropolitan Opera von New York ignorierte jedoch diese Wünsche und brachte Parsifal schon 1903 heraus. Andere große Bühnen warteten bis zum Ablauf der „Schutzfrist“ im Jahr 1913- unter anderem die Wiener Hofoper, in der Parsifal erstmals im Jänner 1914 erklang.In einer 2025 erarbeiteten, viel diskutierten Produktion der deutschen Regisseurin Susanne Kennedy gemeinsam mit dem bildenden Künstler Markus Selg für die Oper in Gent wird Parsifal in diesem Juni bei den Wiener Festwochen präsentiert; Yi-Chen Lin leitet dabei das ORF Radio-Symphonieorchester Wien.Text: Michael Blees

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