Das Ö1 Konzert Zelenka & Händel mit dem Collegium 1704

Mo, 15.06.  |  14:05-15:30  |  Ö1
Alte Musik im Konzert. Collegium und Collegium Vocale 1704, Dirigent: Vaclav Luks; Tereza Zimkova, Sopran; Aneta Petrasova, Mezzosopran; Gabriel Diaz Cuesta, Countertenor; Ondrej Holub, Tenor; Tomas Selc, Bass. Jan Dismas Zelenka: Missa Circumcisionis ZWV 11; Georg Friedrich Händel: Dixit Dominus g-Moll HWV 232 (aufgenommen am 9. Oktober 2025 im Dvorak Saal des Rudolfinum Prag)

Jan Dismas Zelenka (1679-1745) gehört zu den großen Außenseitern der europäischen Musikgeschichte – ein Komponist von überwältigender Originalität, dessen Name lange Zeit im Schatten der großen Hofkapellmeister und kirchlichen Repräsentationsmusik stand, obwohl gerade er zu den eigenständigsten musikalischen Figuren des frühen 18. Jahrhunderts zählte.Seine Missa Circumcisionis steht liturgisch an einem merkwürdigen Ort: acht Tage nach Weihnachten, wo das Kind im Stall noch in der zarten Helle der Geburt steht – und doch im Akt der Beschneidung zum ersten Mal Blut vergießt, als Vorausnahme des Kreuzes. Diese Messe ist daher keine Fortsetzung der weihnachtlichen Freude, sondern eine stille Wendung in die Ernsthaftigkeit, ein Übergang von Geburt zu Opfer, von Licht zu Verantwortung. D-Dur, die Tonart des Festes, klingt hier wie wegen des Himmels in sich hell, aber wegen der Erde nicht triumphierend. Der Klang ist erhoben, doch nie laut; festlich, doch nie sorgenfrei.Das Werk, eines der größten und am reichsten instrumentierten der insgesamt etwa 20 Messkompositionen Zelenkas, entstand im Jahr 1728, als der tschechische Komponist den kränkelnden Kapellmeister Johann David Heinichen in Dresden vertrat. Als würdige Ergänzung hat Vaclav Luks mit dem Collegium und dem Collegium Vocale 1704 im Dvorak-Saal des Rudolfinums in Prag der Messe eine der eindrucksvollsten Vertonungen des alttestamentarischen Psalms Dixit Dominus von Georg Friedrich Händel zur Seite gestellt.

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