Punkt eins Der deutsch-französische Kampfjet hebt nicht ab

Mo, 15.06.  |  13:00-13:55  |  Ö1
Sand im Getriebe des deutsch-französischen Motors. Gast: Isabell Hoffmann, Direktorin des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

„Es ist sinnlos, dem Scheitern des FCAS nachzutrauern – der Wurm war schon von Beginn an drin“, kommentiert das französische Wirtschaftsblatt „Les Echos“ das Aus für das ambitionierte deutsch-französische Rüstungsprojekt „Future Combat Air System“ (FCAS): „Keiner der Beteiligten war bereit, einen Kompromiss einzugehen. Weder die französischen Flugzeughersteller, die noch immer glauben, ihre Systeme allein entwickeln zu können, noch die deutschen Industriekonzerne, die die enormen Haushaltsanstrengungen ihrer Regierung für die Wiederaufrüstung nicht mit anderen teilen wollen, noch Europa, das es nicht mehr wagt, seine Finanzierung an eine Zusammenarbeit von drei oder vier Ländern pro Projekt zu knüpfen."Beide Länder schieben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu, dass die gemeinsame Entwicklung des neuen Kampfflugzeugs gescheitert ist. Wo auch immer die Ursachen für das Scheitern nach neun Jahren gemeinsamer Anstrengungen für FCAS liegen – es hat Auswirkungen auf den viel zitierten deutsch-französischen Motor, der ja auch Europa voranbringen soll."Deutschland und Frankreich müssen, weil sie den Weg zur Versöhnung geebnet haben, zu Vorreitern für die Neugründung unseres Europas werden“, betonte Staatspräsident Emmanuel Macron in seiner Rede zum 60. Jahrestages des Elysée-Vertrages 2023 und nannte Deutschland und Frankreich „zwei Seelen in einer Brust“. Der deutsch-französische Motor, so Macron weiter, „schnurre oft sanft, funktioniere aber nur in dem festen Willen, Streitigkeiten stets in gemeinsames Handeln umzuwandeln."Was der Elysée-Vertrag, der deutsch-französische Freundschaftsvertrag von 1963, wirklich gebracht hat, ist umstritten: "Es steht ja nichts drin!“, urteilte der große Historiker und Versöhner zwischen den beiden Ländern, der 2024 verstorbene Alfred Grosser, über den Inhalt der Vereinbarung, unterzeichnet von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer. In den vergangenen Jahrzehnten ist jedenfalls ein dichtes Netz aus bilateralen Vereinbarungen gewebt worden: Unzählige Städtepartnerschaften sind ebenso ins Leben gerufen worden wie hochrangige Kommissionen wie der Deutsch-französische Ministerrat und der Deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat. Hinzu kommen viele Vereinbarungen auf universitärer Ebene und Forschungszusammenarbeit sowie traditionsreiche Organisationen wie das Deutsch-französische Jugendwerk (DFJW). Sind alle diese Organisationen, Vereine und Absichtserklärungen wirklich mit Leben erfüllt? Inwieweit sind junge Menschen heute bereit, die Sprache des Nachbarn zu erlernen? Was wissen Deutsche und Franzosen von Kultur und Geschichte des Anderen – abseits von Klischees?Alexander Musik diskutiert mit Isabell Hoffmann, der Direktorin des Deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg, über die deutsch-französische Sache, die Chancen und Grenzen der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern und das Wissen über den jeweiligen Nachbarn.Wie immer sind Sie eingeladen mitzudiskutieren: Erinnern Sie sich an Ihren letzten Frankreich-Aufenthalt und was haben Sie davon mitgenommen? Was fällt Ihnen zu Frankreich ein? Wie präsent ist Frankreich in Österreich? Anrufe kostenlos aus ganz Österreich unter 0800 22 69 79 E-Mails an punkteins(at)orf.at

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