Punkt eins Waldbrände: Poolwasser, Löschflugzeuge, Baumarten

Do, 13.08.  |  13:00-13:55  |  Ö1
Neue Herausforderungen im Kampf gegen die Flammen. Gäste: Ing. Peter Ondrich, Waldbrandsachverständiger, Referent für Umweltmonitoring, Katastrophenschäden und Forststatistik, Landesforstdirektion Steiermark & OBR a.D. Ing. Dieter Pilat, langjähriger Feuerwehrfunktionär und „fliegerischer Einsatzleiter“, EU-Forest-Fire-Experte. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Flucht, Evakuierungen, Hunderttausende Hektar ein Raub der Flammen, das erstmalige Auftreten von „Feuerwolken“ in Europa und schon wieder brennen die Wälder in Spanien und Frankreich; in Griechenland könnte das Feuer noch monatelang im Erdboden schwelen. In Österreich gab es heuer bereits über 280 Waldbrände. „2026 ist das mit Abstand stärkste Waldbrandjahr seit langem“, sagt Peter Ondrich, Waldbrandsachverständiger von der Landesforstdirektion Steiermark. Und immer deutlicher werden die Herausforderungen einer neuen Ära des Feuers in ganz Europa. Die Einsatzkräfte sind in diesem Jahr belastet wie selten zuvor. Der Katastrophenschutzmechanismus der EU wird auf eine harte Probe gestellt, da mehrere Mitgliedsländer und Partnerstaaten gleichzeitig um Hilfe und Löschflugzeuge bitten. Versäumnisse werden deutlich, in der Prävention ebenso wie in der Ausstattung. Die EU-Kommission baut zwar eine eigene Flotte von Löschflugzeugen und Hubschraubern auf, doch erst 2030 wird sie vollständig einsatzbereit sein. Eigene Löschflugzeuge für Österreich stehen erst ab 2028 bereit. Und die Wasserknappheit in Europa verschärft die Lage drastisch, auch in Österreich. Waldbrände müssen endlich „gesamtstaatlich“ betrachtet werden, forderte Robert Mayer, der Präsident des Bundesfeuerwehrverbandes, bei einer Pressekonferenz vergangene Woche, vor allem, was die Löschwasserversorgung am Einsatzort betrifft. Die Hitze und Dürre der letzten Monate haben weite Teile Europas geradezu gebacken und die Wasserreserven ausgetrocknet. Die heimischen Feuerwehren müssen immer öfter auf private Pools, Schwimmbecken und -Teiche zurückgreifen; oft helfen Landwirte aus. Damit Hubschrauber oder gar Löschflugzeuge zum Einsatz kommen können, sind die Voraussetzungen noch einmal spezieller, sowohl im Flugbetrieb wie bei der Wasseraufnahme, sodass es mitunter einfacher ist, die Einsatzkräfte zum Brand zu fliegen. „Brennt der Wald in unzugänglichem, sehr steilem Gelände, werden Feuerwehrleute auch an einem Seil mit dem Polizei- oder Bundesheerhubschrauber dorthin geflogen und können dort löschen“, berichtet OBR a.D. Dieter Pilat, langjähriger Berufsfeuerwehroffizier in der Steiermark, der bei über 200 Waldbränden selbst fliegerischer Einsatzleiter war und als EU-Forest-Fire-Expert in internationalen Einsatz- und Beratungsteams aktiv ist, wo er internationale Waldbrandeinsätze und Einsatzplanung analysiert, sowie Ausrüstung und Taktik weiterentwickelt. Erfolgreiche Waldbrandbekämpfung hat viele Aspekte, sagt Dieter Pilat, der in dieser Funktion vielfältige Einblicke in die Waldbrandsituation in ganz Europa hat. So ist die Interventionszeit von der Alarmierung bis zum Löscheinsatz in Österreich mit durchschnittlich etwa 20 Minuten sehr kurz, erklärt der Feuerwehrfunktionär, der Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Turnau ist. Auch in der Aus- und Weiterbildung und der Zusammenarbeit mit der Forstwirtschaft hat sich in den letzten Jahren viel getan, ebenso bei der Professionalisierung des Feuerwehrflugdienstes in Österreich, den Dieter Pilat in der Steiermark federführend mitaufgebaut hat. Gegenwärtig werden vor allem in die Brandbekämpfung aus der Luft große Hoffnungen gesetzt, doch das Vorhandensein von Löschflugzeugen und -Hubschraubern allein bekämpft noch keinen Waldbrand. Die Waldbrandsaison indes beginnt immer früher und dauert immer länger. Nach wie vor werden die mit Abstand meisten Brände durch den Menschen verursacht, sagt Peter Ondrich: vom achtlos weggeworfenen Zigarettenstummel bis zur heißen Bremsscheibe eines Mountainbikes. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar war – ein Waldbrand im Winter in Tirol – ist heute Realität. Mit zunehmenden Hitze- und Trockenzeiten stellt sich die Frage, wie gut sich die Wälder, Landschaften und die Gesellschaft auf Waldbrände vorbereiten kann. Über die Waldbrandsituation in Österreich und Europa und die Perspektiven, die Möglichkeiten und Herausforderungen der Brandbekämpfung und die Bedeutung von Löscharbeiten aus der Luft diskutieren der Waldbrandsachverständige Peter Ondrich und der Spezialist für Vegetationsbrandbekämpfung, Dieter Pilat, als Gäste bei Barbara Zeithammer mit den Hörerinnen und Hörern von Punkt eins unter 0800 22 69 79 oder punkteins(at)orf.at

in Outlook/iCal importieren

Jetzt im TV
Heute 20:15

Sender auswählen

Sender Auswahl: