Diagonal Stellt Vor Diagonal Stellt vor. Das Magazin zum Monatsanfang

Sa, 06.06.  |  17:05-19:00  |  Ö1
100 Jahre Bauhaus in Dessau +++ 1.500-Seiten-Bericht über Grazer Straßennamen +++ Ausstellung über den Vordenker Oswald Wiener +++ „Die Bachmann“ und der Biografismus +++ Diagonals feiner Musiksalon: Anna Calvi – Is This All There Is?

Glas, Beton, Metall. 100 Jahre Bauhaus Dessau 1919 in Weimar gegründet, wird das Bauhaus in Deutschland zum Motor der ästhetischen Erneuerung, zieht aber auf Druck rechtsgerichteter Parteien 1925 in die Industriestadt Dessau. Dort errichtet Direktor Walter Gropius ein Gebäude, das bis heute als Ikone der Architektur gilt. Am 4. Dezember 1926 wird das Bauhaus Dessau als Kommandozentrale der gleichnamigen Kunstschule eröffnet. Mehr als tausend Gäste aus dem In- und Ausland reisen an, um Gropius´ Kampfansage an Pomp und Behaglichkeit zu bewundern. Die Avantgarde applaudiert, viele Menschen sind empört. Das Jubiläum wird mit einem umfangreichen Programm gefeiert. Gestaltung: Christine ScheucherAusstellung: A.rtificial I.ntrospection O. Oswald Wiener (1935 – 2021) war Schriftsteller, Musiker, Mathematiker, Kybernetiker, Gastronom und Sprachkritiker. Ab 1954 prägte er als jüngstes Mitglied der „Wiener Gruppe“ mit Gerhard Rühm und Konrad Bayer die Neoavantgarde in Österreich, die auf lautpoetische Happenings setzte, auf der Bühne ein Klavier zertrümmerte und mit anarchischen Gedichten gegen das verkrustete Denken der Nachkriegskriegsjahre wütete. In seinem experimentellen Hauptwerk „die verbesserung von mitteleuropa, roman" beschreibt Oswald Wiener Sprache als einen Apparat, der den Menschen kontrolliert, statt ihm zu dienen. Die Ausstellung A.rtificial I.ntrospection O. untersucht ein künstlerisches Spannungsfeld, inspiriert von Wieners Theorien zur Selbstbeobachtung und Kybernetik. Die Halle für Kunst in Graz zeigt bis 6. September neben Werken von Wieners Weggefährtinnen und Freunden, wie Walter Pichler, Valie EXPORT, Maria Lassnig, Günter Brus, Dieter Roth oder Ingrid Wiener, auch Medienkunst einer jüngeren Generation. Gestaltung: Petra ErdmannDie Bachmann" und der Biografismus"Abstand, oder ich morde! Haltet Abstand von mir“, heißt es in Ingeborg Bachmanns Erzählung Das dreißigste Jahr. Ein Satz, der auch als Kommentar zur anhaltenden Faszination für ihre Person gelesen werden kann. Kaum eine Autorin wird so beharrlich durch die Brille ihrer Biografie gelesen wie Bachmann: Briefe, Nachlassdokumente und persönliche Beziehungen stehen häufig stärker im Mittelpunkt als ihr literarisches Werk. Zum 100. Geburtstag der Autorin und zum Auftakt des Bachmann-Schwerpunkts fragt Diagonal, wie sich ihre Texte jenseits biografischer Verkürzungen lesen lassen und welche Rolle das Archiv beim Umgang mit ihrem Nachlass spielt. Gestaltung: Susanne HofingerWer ist in den Grazer Straßennamen verewigt?Kürzlich präsentierte die Stadt Graz einen 1.500-Seiten-Bericht über mehr als 700 personenbezogene Straßennamen. Nach mehrjähriger Forschung von Universität Graz, Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung und einer Expertenkommission für Straßennamen ist damit eine Grundlage geschaffen für Diskussion und Umgang mit historisch belasteten Namen oder auch mit der Frage, wer in der Stadt sichtbar ist. Wie viele Frauen etwa werden durch Straßennamen gewürdigt? Wer oder was gilt als bedeutsam? Wer trat für die Abschaffung der Demokratie ein und wird jeden Tag erwähnt, gesehen, geehrt – durch ein Straßenschild? Gestaltung: Florian Jauk

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