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SUMMARY:"Zeit-Ton" auf Ö1
DESCRIPTION:„Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten“, gibt Bert Brecht in den 1930ern in „An die Nachgeborenen“ zu Protokoll. „Wahrlich, es waren finstere Zeiten, in denen ein kluger Mann sich genötigt sah, Dinge zu denken, die zueinander im Widerspruch standen“, ruft denn auch in auffälligem Gleichklang Adson von Melk aus, der Ich-Erzähler von Umberto Ecos Mittelalterroman „Der Name der Rose“ – je nach Sichtweise Jahrhunderte vor Brecht oder Jahrzehnte nach ihm. Strahlt uns heute mehr Licht über die Schultern? Erblicken wir es am Ende des Tunnels? Oder geht es uns langsam aber sicher aus?  „Finstere Zeiten“ als Konzertmotto: Das passte an diesem Abend mit dem ensemble xxi. jahrhundert (exxij) unter Peter Burwik gleich zum eröffnenden „panic“ der slowakischen Komponistin Jana Kmitová – mit düsteren Konturen über einem sich verwandelnden, aber stets bedrohlichen, unaufhaltsamen Puls. Es war dies das eine von gleich zwei uraufgeführten Auftragswerken dieses Klangkörpers und seinem konsequent neugierigen Gründer und Leiter.  Seit mittlerweile 55 Jahren leuchtet Burwik am Pult des virtuos-sensiblen, sich immer wieder verjüngenden exxij mit musikalischen Scheinwerfern die dunklen Ecken unserer Epoche aus. Denn Eskapismus hat sich die Neue Musik ja nie wirklich auf die Fahnen geschrieben, das Düstere liegt ihr weitaus besser. Auch Kmitovás Kollegin Petra Stump-Linshalm lässt sich unter der offenen Stückbezeichnung „untitled“ zwar nicht in die Karten blicken, entwirft aber klar eine pittoreske Landschaft, die von alten Katastrophen gezeichnet scheint und zugleich neue erwartet.    Dazu ein fast 30 Jahre altes Werk: Christian Ofenbauers „fancies (fancy-papers)“ für Violine und Orchester von 1997 – eine Art von kunstvollem Absturz in Zeitlupe, vollführt von der Solistin Bojidara Kouzmaonva-Vladar, ausweglos, aber ohne Resignation.  Jana Kmitová, Petra Stump-Linshalm, Christian Ofenbauer: Drei kluge Leute, die sich jenen Dingen stellen, die in finsteren Zeiten zueinander im Widerspruch stehen.  (Mitschnitt aus dem Berio-Saal des Wiener Konzerthauses vom 17. März 2026)
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