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SUMMARY:"Zeit-Ton" auf Ö1
DESCRIPTION:Dietmar Hellmich, Komponist und Musikwissenschaftler aus Wien, beleuchtet im Kamingespräch mit Rainer Elstner zentrale und dezentrale Werke der Musikgeschichte.In den 1970er-Jahren sprachen viele Komponisten davon, sich aus dem Zwang des Komponierens mit Zahlenreihen, dem Serialismus, befreit und „zu sich selbst gefunden“ zu haben, wobei ein unmittelbarer Ausdruck des Individuums oft mit einer Rückkehr zur Tonalität und einem Blick auf ein größeres Publikum verbunden war.  Dieses Klischee gilt es zu hinterfragen. Freilich war der Serialismus geprägt von der Konzentration auf die Struktur, durch die Vorordnung des Materials nach den einzelnen Parametern und der Rückführung ihrer Gestaltung auf eine gemeinsame Zahlenreihe. Manche der berühmtesten Resultate erzielten jedoch große energische und emphatische Qualitäten, etwa das klangsinnliche Orchesterwerk „Gruppen“ von Karlheinz Stockhausen.  Für Pierre Boulez ist eine typische „Rage“ nicht nur in seinen polemischen Texten, sondern auch in den strengsten, durch Zahlenreihen organisierten Werken spürbar. Luigi Nono gelang es, die Abschiedsworte von zum Tode Verurteilten durch eine äußerst rigide organisierte Musik mit breitem Ausdrucksspektrum als erschütternde Zeugnisse erfahrbar zu machen. Einer der wenigen Komponisten, die dem Serialismus stets treu blieben, Jean Barraqué, ging mit den Permutationstechniken freier um, was mit dem Eindruck einer turbulenten Selbsterneuerung der Musik verbunden wird. Bernd Alois Zimmermann gelang in der Oper „Die Soldaten“ im Rahmen des Serialismus eine überzeugende Charakterzeichnung der Figuren.  Zu der jungen Generation der „Ausbrecher“ in den 1970er-Jahren gehörte als einer der prominentesten Vertreter Wolfgang Rihm. Das Ziel unbeschränkter, höchstmöglicher Expressivität erlangte er nicht immer durch die Wiedereinführung historischer Kompositionsmittel, sodass die hochdissonante sprunghafte Musiksprache etwa in Teilen der Oper „Die Halmetmaschine“ einen Vergleich herausfordert, zumal man die Zahlenreihen des Serialismus ohnehin nicht wahrnehmen kann: Empfinden wir hier mehr oder einen anderen Ausdruck? Auch seine Schülerin Rebecca Saunders erreicht Unmittelbarkeit ohne Rückkehr zur Tonalität.
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