BEGIN:VCALENDAR
VERSION:2.0
PRODID:http://www.tvbutler.at/
METHOD:PUBLISH
X-WR-TIMEZONE:Europe/Vienna
BEGIN:VTIMEZONE
TZID:Europe/Vienna
X-LIC-LOCATION:Europe/Vienna
BEGIN:DAYLIGHT
TZOFFSETFROM:+0100
TZOFFSETTO:+0200
TZNAME:CEST
DTSTART:19700329T020000
RRULE:FREQ=YEARLY;BYMONTH=3;BYDAY=-1SU
END:DAYLIGHT
BEGIN:STANDARD
TZOFFSETFROM:+0200
TZOFFSETTO:+0100
TZNAME:CET
DTSTART:19701025T030000
RRULE:FREQ=YEARLY;BYMONTH=10;BYDAY=-1SU
END:STANDARD
END:VTIMEZONE
BEGIN:VEVENT
UID:43750391@tvbutler.at
DTSTAMP:20260915T095520
SUMMARY:"Ö1 Essay" auf Ö1
DESCRIPTION:Kaum eine politikwissenschaftliche These wurde so gründlich missverstanden wie jene des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama: Als er im Sommer 1989 – nur wenige Monate vor dem Fall der Berliner Mauer – in seinem berühmten Essay „Das Ende der Geschichte“ ausrief, meinte er keineswegs, dass es keine Kriege, Konflikte oder historische Schlüsselereignisse mehr geben wird. Fukuyamas Kernthese war rein philosophischer Natur: Die Kombination aus Rechtsstaat, Demokratie und Marktwirtschaft stellt das finale Modell der politischen Ideengeschichte dar, postulierte er. Dass Systeme in der Praxis fehlerhaft sind oder Autokratien fortbestehen, ändert nichts daran: Im globalen Ideenkatalog existiert schlicht keine höhere, funktionierende Alternative mehr. Monarchismus, Faschismus und Kommunismus haben sich historisch als unterlegen erwiesen.Doch warum wankt diese Ordnung heute weltweit? In seinem aktuellen Werk „Der letzte Mensch“ blickt Fukuyama auf das psychologische Vakuum unseres saturierten Zeitalters. Der Schlüssel zum Verständnis des globalen Rechtsrucks liegt für ihn in einem antiken Konzept Platons: dem Thymos – dem tiefen menschlichen Verlangen nach Anerkennung und Würde. Während die liberale Demokratie zwar immensen materiellen Wohlstand schuf, hinterließ sie bei vielen das Gefühl, kulturell und sozial herabgesetzt zu werden. Populistische Bewegungen besetzen dieses Vakuum perfekt: Sie verwandeln ökonomische Verlustängste in Identitätskämpfe und bieten im Tausch für Kränkungen ein kollektives Gefühl von Stolz. Weil das System zwar Sicherheit, aber keine tiefe Sinnstiftung liefert, bricht eine paradoxe Rebellion gegen den Frieden selbst aus. Es ist die von Friedrich Nietzsche prophezeite Flucht vor der Existenz als satter, aber gelangweilter „letzter Mensch“: Der moderne Bürger erschafft sich künstliche Feindbilder und zerstört lieber eine funktionierende Demokratie, als in einem bedeutungslosen Konsumparadies zu leben.
CLASS:PUBLIC
DTSTART:20260925T110500
DTEND:20260925T112500
END:VEVENT
END:VCALENDAR