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SUMMARY:"Verlorene Heilkraft – Europas fatale Penicillin-Abhängigkeit" auf 3sat
DESCRIPTION:<p>Penicillin ist auch 100 Jahre nach seiner Entdeckung das wichtigste Antibiotikum der modernen Medizin und wird bei Operationen sowie Krebs- und Infektionsbehandlungen eingesetzt.<br/><br/>Das medizinische Wundermittel ist eine genuin europäische Erfindung und Entwicklung, droht nun aber durch die Globalisierung der "Alten Welt" verloren zu gehen. Ohne asiatische Lieferungen könnte ein großer Teil der modernen Heilkunst in Europa unmöglich werden.<br/><br/>Die Entdeckung des Penicillins und die daraus resultierende Entwicklung der Antibiotika waren abgesehen von hygienischen Maßnahmen und Impfungen wohl die größte medizinische Revolution überhaupt. Ohne Antibiotika keine modernen Operationen, keine aufwendige Krebsbehandlung, ohne Antibiotika viel mehr Spitalsaufenthalte und Todesfälle. Die erfolgreiche Bekämpfung von Keimen hat weite Teile der klinischen Medizin erst möglich gemacht, und Antibiotika – immer noch speziell Penicilline - sind eine der wichtigsten Säulen des Gesundheitswesens überhaupt. <br/><br/>Aber wie lange werden die europäischen Entdecker diese Superkraft noch zur Verfügung haben? Resistenzen könnten diese medizinische Waffe stumpf oder sogar wirkungslos machen. Der leichtfertige Einsatz in der Humanmedizin und in der Tiermast führt dazu, dass immer mehr Keime unempfindlich werden gegen die vorhandenen Antibiotika. Neue Entwicklungen aus der Pharmazie können hier gegensteuern - und gerade Penicillin ist trotz seines "Alters" relativ unempfindlich gegen Resistenzbildungen.<br/><br/>Eine andere Bedrohung ist wohl viel größer: Europa, der Kontinent, auf dem das Penicillin entdeckt wurde und der lange die Forschung im Bereich der Antibiotika dominiert hat, ist - wie in vielen anderen Bereichen - vom innovativen Produktionsstandort zum bloßen Konsumparadies verkommen. Beim Pro-Kopf-Verbrauch liegen viele europäische Länder auf Spitzenplätzen, und dennoch gibt es nur eine einzige verbliebene Produktionsstätte in Europa, die Penicillin herstellen kann, ohne auf asiatische Lieferketten zumindest bei den unabdingbar nötigen Rohstoffen angewiesen zu sein. <br/><br/>Die letzte Produktionsstätte auf dem Kontinent im kleinen Tiroler Ort Kundl wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als erste Penicillinfabrik des Kontinents errichtet. Heute stellen die globalen Entwicklungen auf dem Pharmamarkt und vor allem der Aufstieg Chinas die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens infrage. Es brauchte bereits einen Schulterschluss mit der Politik, um den Standort zu erhalten.   <br/><br/>Für die Entdeckung des Penicillins 1928 wurde der schottische Arzt Alexander Fleming mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor Fleming publizierte der Wiener Chirurg Theodor Billroth zur "keimtötenden Wirkung des Pilzes Penicillium", seine Forschungen gerieten aber in Vergessenheit. Der erste Mensch wurde 1941 damit behandelt: ein Polizist in England, ein Europäer also. Und jetzt? Verliert der Kontinent die Kontrolle über eine der schärfsten medizinischen Waffen überhaupt? Christian Kugler vereint in seinem Film die spannende Historie, die hoch relevante Gegenwart und eine höchst unsichere Zukunft für die moderne europäische Medizin.<br/><br/></p>
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