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SUMMARY:"Vom Leben der Natur" auf Ö1
DESCRIPTION:Über Jahrtausende ist im Pustertal durch Anbau, Auswahl und Weitergabe von Saatgut eine Vielfalt landwirtschaftlich genutzter Kulturpflanzen entstanden. Gerade in Südtirol haben sich viele lokale Sorten entwickelt, in Zusammenhang mit Landschaft, Höhenlage, Klima und Alltagsküche. Besonders in Tälern und Grenzlagen, in denen nicht jede Standardsorte zuverlässig wächst, konnten sich Pflanzen behaupten, die an bestimmte Böden, Temperaturen und Nutzungsweisen angepasst sind. Lokale Sorten liefern oft keine Höchsterträge, können aber unter wechselnden Bedingungen stabiler sein, weil sie genetisch nicht völlig einheitlich sind. Diese Vielfalt macht sie für Landwirtschaft, Ernährung und Anpassung an veränderte Umweltbedingungen interessant.Erhalten werden solche Sorten nur, wenn sie weiterhin angebaut, vermehrt und genutzt werden. Dazu gehören etwa Kohlrüben, Krautrüben, lokale Mohnsorten, Weißkraut, Erbsen oder Spinat. Viele dieser Pflanzen sind mit bestimmten Gerichten verbunden: Rübenkraut, Mohngebäck, Krapfen, Suppen oder traditionelle Teigwaren. Die Nutzung in der Küche ist dabei kein Nebenaspekt, sondern Teil der Erhaltung. Sorten, die nicht mehr gegessen werden, verlieren auch ihre praktische Bedeutung. Samenfeste Sorten können weitervermehrt werden, sie bleiben dadurch nicht nur in Sammlungen erhalten, sondern im Kreislauf von Aussaat, Ernte, Auswahl und Weitergabe.Kulturpflanzenvielfalt gestaltet gleichzeitig ein soziales System: Saatgut wird getauscht, beschrieben und mit Erfahrungen verbunden. Wann wird ausgesät? Wie wird geerntet? Welche Sorte eignet sich für welches Gericht? Wer Saatgut weitergibt, gibt auch Wissen, Herkunftsgeschichten und die Nutzungsmöglichkeiten weiter. Die Erhaltung lokaler Sorten ist also nicht mit einzelnen Betrieben allein verbunden, sondern hängt an vielen Menschen: an Bäuerinnen und Bauern, Gärtnerinnen und Gärtnern, Köchinnen und Köchen, Familien, Märkten, Vereinen und Konsumentinnen und Konsumenten. Die Vielfalt bleibt dort lebendig, wo sie angebaut, gegessen, weitergegeben und immer wieder neu in den Alltag eingebunden wird.Gestaltung: Lothar Bodingbauer
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